Die Corona-Tests und der Wolf im Wald

Gestern war ich nach langer Zeit wieder einmal zu einem Seminar in der Schweiz. Dort fiel mir ein Merkblatt der eidgenössischen Medizinalbehörde swissmedic zu Covid-19 in die Hände. (1) In diesem wird das Testkonzept auf den Covid-19-Erreger genau beschrieben. Auch das heute weltweit gängige Testsystem über einen PCR-Test wird erläutert. Mit diesem Test gelingt ein direkter Nachweis des Corona-Virus – so denken die meisten Menschen, doch das ist falsch. Was der Test kann, ist lediglich einen winzigen Bruchteil des Virus zu erkennen, nicht aber das Virus selbst. Und das macht schon einen Unterschied. Die swissmedic schreibt:

„Die PCR (Polymerase-Kettenreaktion) ist eine NAT (Nucleic Acid Amplification Technology)-Methode, der modernen Molekularbiologie um in einer Probe vorhandene Nukleinsäure (RNA oder DNA) in vitro zu vervielfältigen und danach mit geeigneten Detektionssystemen nachzuweisen. Der Nachweis der Nukleinsäure gibt jedoch keinen Rückschluss auf das Vorhandensein eines infektiösen Erregers. Dies kann nur mittels eines Virusnachweises und einer Vermehrung in der Zellkultur erfolgen.“

Mit anderen Worten: Wenn ein Coronatest positiv ist, dann hat man Nukleinsäure des Coronavirus gefunden, nicht aber einen infektiösen Virus. Wie kann man das interpretieren? Wohl so, dass der Getestete zeitnah Kontakt mit dem Coronavirus hatte, mehr aber auch nicht. Ob das Virus überhaupt noch da ist, und wenn ja, ob es sich in den Zellen auch vermehrt, kann der Test nicht sagen. Was ein positiver Test aussagt, erklärt die swissmedic in dem Merkblatt auch:

„Durch den direkten Nachweis von viraler Nukleinsäure in einem Nasen-Rachenabstrich kann bei Patienten mit COVID-19 kompatiblen Symptomen auf eine SARS-CoV-2 Infektion geschlossen werden“.

Auch das ist eine klare Aussage: Wenn ein Patient eindeutig Covid-19-Symptome hat, dann kann durch einen positiven Test auf eine Infektion geschlossen werden. Also nur in Verbindung mit klaren Covid-19-Symptomen kann ein positiver PCR-Test als Nachweis einer Coronainfektion dienen. Aber auch dann nur durch einen Rückschluss (Symptome plus positiver Test lässt mit ziemlicher Sicherheit auf Covid-19 schließen).

Als ich über die Sache näher nachdachte, kam mir ein Bild in den Sinn, wie die Sache mit den Coronatests am besten einzuordnen ist. Stellen Sie sich bitte folgende Situation vor: Ein Jäger findet in einem Wald die Fährte eines Tieres. Sie ähnelt einem Hund, könnte aber auch von einem Wolf stammen. Es wird ein Experte zu Rate gezogen und bald ist eindeutig klar: es handelt sich um den Abdruck eines Wolfes. Obwohl noch niemand den Wolf gesehen hat, denken nun alle: „Achtung, in diesem Wald lebt ein Wolf! Geht nicht hinein, ihr könntet gefressen werden!“ Sie stellen ein Suchkommando zusammen, das nach weiteren Fährten suchen soll. Und sie finden auch welche. Von Tag zu Tag stocken sie das Kommando auf, und immer mehr Menschen streifen durch den Wald, um nach Fährten Ausschau zu halten. Und tatsächlich: Jeden Tag finden sie mehr davon. Nun wird die Unruhe immer größer, und man beschließt, einen mehrere Meter hohen Zaun um den ganzen Wald zu ziehen.

Doch der Experte beruhigt: „Moment, Leute. Wir haben da nur Fährten gefunden. Das heißt nur, da war vor kurzem ein Wolf. Das ist unstrittig. Aber wir wissen nicht, ob er überhaupt noch da ist oder nicht schon weitergezogen ist. Sollte er noch da sein, dann wissen wir nicht, ob er hungrig ist und auf Beute geht oder vollgefressen unter irgendeinem Baum schläft. Und die Gefahr, dass ein Wolf für einen Menschen lebensbedrohlich ist, ist auch nicht allzu hoch. Das sind die Fakten. Aber: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, also heißt es wachsam sein und aufpassen. Es besteht jedoch kein Grund, nun in Panik zu verfallen.“ Ende der Geschichte.

Fazit: Man kann sich nun Gedanken machen, warum dieser Aspekt zum PCR-Test in den Medien kaum eine Rolle spielt. Auch kann man die Tatsache hinzunehmen, dass von einhundert positiv auf Corona Getesteten einer falschpositiv ist, also als Corona-positiv gilt, obwohl er gar keinen Viruskontakt hatte. Das alles gehört zur Wahrheit über Corona mit dazu. In der 32. Kalenderwoche (Anfang August) wurden allein in Deutschland 672.171 Coronatests durchgeführt. Davon waren 6.909 positiv. Das entspricht genau der bekannten Fehlerquote, die der Test hat … (2)

Trotzdem: Das Bild von der Mutter und der Porzellankiste gilt noch immer. Ignorieren ist die falsche Schlussfolgerung. Aber ein nüchternes Einschätzen der Lage auf Basis aller vorhandenen Daten ist immer die beste Strategie. Und die besagt: Die Gefahr ist aller Wahrscheinlichkeit nicht so hoch, wie sie die mediale Aufmerksamkeit suggeriert.

(1) https://www.swissmedic.ch/dam/swissmedic/de/dokumente/bewilligungen/mikrobiologische_laboratorien/mv_covid19_testung_ch.pdf.download.pdf/Merkblatt_COVID-Testung_Swissmedic_BAG_final_de.pdf

(2) https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1107749/umfrage/labortest-fuer-das-coronavirus-covid-19-in-deutschland/