Von Denkallergien und anderen intellektuellen Flatulenzen

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Unter Schädel- und Bauchdecke verbergen sich Ähnlichkeiten. Hier die Schlingen, denen unser Denken entspringt, dort jene, die für das Verdauen zuständig sind. Hirn und Darm (zumindest der dünne) sehen sich verblüffend ähnlich. Inzwischen weiß man, dass sie auch nerval verdammt gut vernetzt sind. Im Ausscheiden sind sie ebenfalls verwandt. Sie sondern beständig etwas ab. Da Gedanken, dort Exkremente. Ob die sich auch ähneln, hängt von der Person ab, denen Hirn und Darm gehören. Damit kommen wir zur Sache.

Arno Frank ist Korrespondent für Inneres bei der taz, jener Zeitung mit Tatze und Identitätskrise. Letzterer ist es wohl geschuldet, dass Herr Frank sich Gedanken über die Verknüpfungen der Bio-Szene mit den Corona-Verschwörungsanhängern machte. In einem langen Artikel sinnierte er über die Frage, ob Bio wirr mache. Mit wirr meint Herr Frank Meisen. Nicht reale, nein, vielmehr solche, die man hat, wenn man dummes Zeug denkt oder tut. So wie die Verschwörungsanhänger, die Bill Gates als Wiedergeburt Satans und Angela Merkel als dessen willige Marionette betrachten. So, wie der Ober-Veganer Attila Hildmann oder der Rapunzel-Chef Joseph Wilhelm, der seine Naturkost mit braungetünchten Verschwörungsflausen garniert unters grün-alternativ-ökologisch-homöopathische Volk bringen möchte. Oder so, wie die „durchgeknallte“ Riege der Impfgegner. So, wie die völkisch Nationalen, die Natur als Blut und Scholle definieren. Bio-Nazis eben. Herr Frank hat sich einen großen Topf besorgt, in den er alles werfen kann. Differenzieren ist nicht so seine Sache. Stört wohl auch den rundumschlagenden Schreibfluss.

Die Ökos, Bios, Homöos und Faschos sind aus ein und demselben Sumpf gekrochen . Wer ganzheitlich denkt, ist auch ein Freund von Brauntönen aller Art.

Dazu berechtigt sieht er sich durch gewisse „wissenschaftliche Erkenntnisse“, die Ökos, Bios, Homöos und Faschos aus ein und demselben Sumpf gekrochen betrachten. Wer ganzheitlich denke, sei auch ein Freund von Brauntönen aller Art. Das läge daran, „dass alles ‚Alternative‘, das Faschistoide wie das Ökologische, der gleichen Ursuppe entstiegen ist“, so der Mann von der taz im schleimfreien Brustton der Überzeugung. Frank glaubt zu wissen, dass sich das Grün der Öko-Bewegung aus dem Braun der Faschisten entwickelt habe. Und die Globuli der Hahnemann-Jünger erschienen nur äußerlich im Weiß der sanftmedizinischen Unschuld. Was Frank als „Ursuppe“ bezeichnet, definiert er leider nicht genau. Es soll etwas Aufständisches sein, etwas, das sich gegen politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche oder wissenschaftliche Systeme stellt. Dadurch, dass es anders denkt, als man es im jeweiligen System erwartet oder verlangt. So wie man sich damals mit Freikörperkultur, Naturkost und aufmüpfiger Kunst gegen das Kaiserreich stemmte – so Franks Beispiel. Was dann scheinbar wegbereitend direkt in den Nationalsozialismus führte. Schließlich war dessen Begründer nicht nur größenwahnsinnig, sondern auch bekennender Vegetarier, wie Frank es den Lesenden nochmals mahnend ins Gedächtnis ruft.

„Die Waren sind weder verpackt, noch geordnet“ moniert Herr Frank, und verweist lobend auf die Reinraumatmosphäre bei Aldi und Rewe, die scheinbar noch immer jeden Deutschen (m/w/d) beglückt.

Dass es eine braun-esoterische Szene gibt, ist seit langem bekannt. Dass sich diese mit jener ökologischen Szene mit besserverdienendem Hintergrund sehr weit überschneide (der sich inzwischen große Teile der Bevölkerung als zumindest nahestehend empfinden), ist die bloße Meinung des Schreibers. Umfragen besagen genau das Gegenteil. Deren Zahlen erwähnt auch Frank, um im nächsten Satz ganz tief in den Sumpf des Subjektiven abzutauchen. Egal, was die Zahlen sagen, man müsse doch nur in so einen Bioladen gehen: Da rieche es schon beim Betreten nach dem unappetitlichen Schrumpelgemüse, dem man den Konservierungsstoffmangel bereits von weitem ansehe. „Die Waren sind weder verpackt, noch geordnet“ moniert Herr Frank, und verweist lobend auf die Reinraumatmosphäre bei Aldi und Rewe, die scheinbar noch immer jeden Deutschen (m/w/d) beglückt. Bioläden sind für ihn ein geweihter Bezirk, dort einzukaufen eine Kulthandlung. Und alle, die darauf stehen, hätten besagte Meise unterm Pony oder nicht alle Tassen im Schrank.

Womit wir wieder beim Schädel und unserem Denkorgan angelangt sind. Und seinen Verknüpfungen zu Bauch und Verdauung. Immer mehr Menschen leiden unter Nahrungsmittelallergien. Dabei wehrt sich die Darmschleimhaut gegen an sich harmlose Nahrungsbestandteile, erkennt sie als fremd und gefährlich, und beginnt sie zu bekämpfen. Die Folgen dieses Kampfes spüren die Leidtragenden nicht selten beträchtlich: Durchfall, Schmerzen, Blähungen, oder Symptome über den ganzen Körper verteilt. Vielleicht gibt es solche pathologischen Vorgänge ja auch im Gehirn – sozusagen als Denkallergien. Der Denkallergiker macht aus für ihn fremden Gedanken, die er nicht versteht, nicht nachvollziehen und in sein Denksystem einordnen kann, höchst gefährliche Eindringlinge, gegen die konsequent vorgegangen werden muss. Wie im Darm kommt es dabei zu Beschwerden. Im Bereich Bauch mit am unangenehmsten sind die häufigen gasigen Entweichungen. Ähnlich verhält es sich bei der Denkallergie. Nur ist dort das Entweichen komplexer als beim Darm. Es zeigt sich mitunter in intellektuell-geistigen Ergüssen, mal verbaler, mal literarischer Art. Herr Frank zählt wohl zu diesen bedauernswerten Zeitgenossen mit Denkallergie. Nur einen wichtigen Unterschied gibt es zwischen intestinalen und intellektuellen Fürzen: Erstere verflüchtigen sich recht bald wieder. Bei letzteren gibt es heutzutage eine virtuelle Konservierung. So wird auch sein Artikel „Macht Bio wirr?“ wohl zu einem digitalisierten Dauerfurz ohne Verfallsdatum. Wohl dem, der noch bio furzen kann.

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