Heilpraktiker – Die größte Gefahr für das deutsche Gesundheitswesen?

Doktor spielen ohne Ahnung zu haben, das seien die Heilpraktiker. So hallt es seit geraumer Zeit durch die Medienlandschaft. Hauptschulabschluss vorausgesetzt und mit einer Überprüfung beim Gesundheitsamt in der Tasche, darf jede und jeder selbstverantwortlich medizinisch tätig sein. Er oder sie müssen nicht einmal eine entsprechende Ausbildung nachweisen. So ist die Rechtslage. Wo gibt’s denn sowas? In Deutschland, und in abgewandelter Form auch in der Schweiz. Und wer hat sich das ausgedacht? Die Nazis. Und wer läuft bei den „Covidioten“ in vorderster Reihe? Na klar: Heilpraktiker. Ob das alles den Tatsachen entspricht oder nicht: Spätestens an dieser Stelle wird man in weiten Teilen der Bevölkerung einen empörten Aufschrei hören und ein entsetztes „Das darf doch nicht wahr sein!“, dem ein erbostes „Das gehört verboten!“ folgt. Selten war es wohl einfacher, ein Feindbild zu erschaffen.

In der Tat: Angesichts der Zugangsvoraussetzungen und der gesetzlichen Rahmenbedingungen bekommen auch manche Vertreter dieses Berufsstandes zeitweise leichtes Bauchgrimmen. Hier mit plausiblen Gegenargumenten zu antworten ist alles andere als einfach. Der Hinweis auf die große Beliebtheit, die die Heilpraktiker in der Bevölkerung genießen, ist nicht unbedingt schlagkräftig, das wissen auch sie. Auch dem Vorwurf der Kurpfuscherei kann man nicht ohne weiteres entgegentreten, ist doch ein Kurpfuscher ursprünglich eine Person, die ohne ausreichende ärztliche Ausbildung Kranke behandelt. So ist der Begriff Heilpraktiker nichts weiter als eine in den 1930er Jahren neu geschaffene Bezeichnung für den Kurpfuscher, dem man jedoch immer schon unlautere Absichten und unsauberes Arbeiten unterstellt hatte. Kurpfuscher waren Quacksalber und Quacksalber sind Scharlatane.

Dieses Bild der sogenannten „Laienbehandler“ herrscht auch heute noch in manchen Kreisen vor. Vor allem in wissenschaftlichen, akademischen und säkularen, die sich in der „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ (GWUP) zusammengeschlossen haben, der Nachfolgeorganisation der 1903 gegründeten „Gesellschaft zur Bekämpfung des Kurpfuschertums“. Die GWUP, deren Ziel es u.a. ist, die alternativen Heilmethoden aus der Medizin zu eliminieren, hat an dem Narrativ des „skrupellosen und gefährlichen Naturheilers“ maßgeblich mitgewirkt. Sie hat es verstanden, ein negatives Bild der Heilpraktiker in immer weitere Kreise zu tragen. Enge Verbindungen zu den Medien war ihnen dabei eine wertvolle Hilfe. Wie gefährlich Heilpraktiker tatsächlich sind, ob sie wirklich skrupellos vorgehen und wie nah sie rechts-esoterischen Kreisen stehen, wie immer wieder kolportiert wird, ist kaum mit belastbaren Daten untermauert. Die wichtige Frage, die man sich zunächst stellen muss, ist sicher die, ob es solche Art Behandler überhaupt braucht.

„Wie gefährlich Heilpraktiker tatsächlich sind, ob sie wirklich skrupellos vorgehen und wie nah sie rechts-esoterischen Kreisen stehen, wie immer wieder kolportiert wird, ist kaum mit belastbaren Daten untermauert.“

Nachdem im Gefolge der Aufklärung die Medizin zunehmend akademisiert und den Naturwissenschaften zugeordnet wurde, waren die „Heilkundigen des Volkes“ weitgehend verpönt, zumindest in wissenschaftlichen Kreisen – nicht aber unter dem „einfachen Volk“, dem sie ja entstammten. Die zunehmend pharmakologisierte und mechanisierte Medizin erzeugte bei nicht wenigen ein mulmiges Gefühl, während die „Naturheiler“ mit dem arbeiteten, was man seit jeher kannte; eben das, was „Mutter Natur“ bot: Kräuter, Wasser, Steine und allerlei Sonstiges, mit was die Menschen von Kindheit an umgingen. Die Überzeugung, dass das Naturwissenschaftliche in der Medizin immer auch das Wirksame und das „Laienhafte“ unwirksam ist, hat sich schon in der Anfangszeit der akademischen Medizin in Gehirne der Ärzteschaft eingegraben – ebenso bei den Menschen die Überzeugung, das Natürliche sei immer auch sanft und ganzheitlich, die als Kurpfuscher Verschrienen daher auch die „wahren Heilkundigen“. Der Glaubenskrieg um das „richtige Heilen“ ist also schon alt.

Nun haben aber manche dieser nichtärztlichen Kurpfuscher nachhaltige Spuren hinterlassen, meist in die sogenannte Alternativmedizin, teilweise aber auch bis in die moderne Medizin hinein. Franz Anton Mesmer, Johann Schroth, Sebastian Kneipp, Emanuel Felke, Johann Künzle: Sie alle waren medizinische Laien und haben doch altes Wissen neu entdeckt oder weiterentwickelt. Manche gelten heute als Begründer eigenständiger naturheilkundlicher Heilverfahren – und das, ohne dass sie je ein Semester Medizin studiert hatten. Dieser Umstand berührt wohl das Zentrum der Frage nach dem Grund, weshalb es „außerschulische“ Heilkundige geben sollte. Würde Medizin nur und ausschließlich auf Basis naturwissenschaftlicher Erkenntnisse funktionieren (und der Mensch daher als ver- und berechenbare Maschine betrachtet werden), könnten naturwissenschaftlich nicht Ausgebildete keine wirksamen und dauerhaft erfolgreichen Heilmethoden entwickeln. Folglich muss zur Medizin neben einer rein naturwissenschaftlichen Begründung noch etwas anderes gehören, was sich dem streng rationalen Erforschen und Anwenden entzieht. Wird dies ausgeklammert, engt sich der Rahmen des medizinischen Handelns auf das rein naturwissenschaftlich Erkenn- und Begründbare ein. Für den medizinischen Auftrag „kranke Menschen gesund zu machen, was man heilen nennt“ (Samuel Hahnemann) würde dies eine Reduzierung der therapeutischen Handlungsmöglichkeiten zu Lasten der Patienten bedeuten.

„Für eine Medizin der Zukunft heißt dies, dass die Heilpraktiker ihr Profil dahingehend schärfen sollten, dass sie sich zentral als „Fachtherapeuten für Selbstheilmedizin“ betrachten, und alles aufgeben sollten, was sie als „Pseudo-Ärzte mit sanftem Image“ darstellt.“

Daraus nun leitet sich für die Existenzberechtigung eines anerkannten Heilberufs ohne „ärztliche Bestallung“ allerdings noch eine Begründung auf tieferer Ebene ab. In der Medizin ist seit jeher bekannt, dass sich lebende Systeme wie Pflanzen, Tiere – und damit auch Menschen –  selbst heilen können. Sie haben die Fähigkeit zur Selbstregulation und damit zur Selbstheilung. Das weiß auch die Schulmedizin und kann bei nicht wenigen Krankheiten angeben, wie hoch die Rate der sogenannten Selbstremissionen ist, jener Fälle also, die ohne spezifische Therapie von sich aus ausheilen. Das ist nur möglich, wenn es die Selbstheilungskräfte gibt. Nur: Diese „Instanz“ der selbstheilenden Mechanismen oder Faktoren spielt im therapeutischen Konzept der Schulmedizin so gut wie keine Rolle. Man kennt sie zwar, arbeitet aber nicht mit ihnen. Das unterscheidet die Verfahren der offiziell anerkannten Medizin von vielen, die aus der alternativen oder komplementären Ecke kommen. In den „außerschulischen Verfahren“ sind sie oft die zentrale Ebene, auf die therapeutische Interventionen abzielen. Wenn es aber in der „wissenschaftlichen Medizin“ niemanden gibt, der diesen Bereich gezielt therapeutisch bearbeitet, dann muss man Menschen, die sich „auf dieses Geschäft verstehen“ mit ins Boot nehmen und darf sie nicht bekämpfen und ausschließen. Das wäre für die Medizin als Ganzes von Nachteil und vor allem für die Patienten – gerade jene, denen die Schulmedizin nicht oder nicht mehr helfen kann.

Für eine Medizin der Zukunft heißt dies, dass die Heilpraktiker ihr Profil dahingehend schärfen sollten, dass sie sich zentral als „Fachtherapeuten für Selbstheilmedizin“ betrachten, und alles aufgeben sollten, was sie als „Pseudo-Ärzte mit sanftem Image“ darstellt. Dass das Heilpraktikergesetz von 1933 der heutigen Zeit angepasst wird, dürfte wohl unweigerlich auf der politischen Agenda der kommenden Jahre stehen. Ein kompromissloses Beharren auf dem Status quo wird nicht nur wenig Erfolg haben, es könnte sich sogar als kontraproduktiv erweisen. Wie die Umgestaltung geschehen kann, sollte man aber nicht fachfremden Politikern und schon gar nicht der Propaganda ideologischer Szientisten der GWUP und ihren fundamentalistischen Anhängern überlassen. Dazu wäre es angebracht, sich in der Diskussion als aktive Gestalter und Ideengeber zu zeigen und nicht als Verweigerer, die alle Gedanken über eine Neugestaltung ablehnen oder gar bekämpfen. Die Welt lebt vom Wandel. Gestalteter Wandel ist Wandel in Freiheit, erzwungener Wandel ist Wandel in Knechtschaft.    

Mit dem zweiten Zug spielt man besser: Über Medien und Homöopathie

Christina Berndt ist Medizinjournalistin bei der Süddeutschen Zeitung in München. In dieser Funktion hat sie am 14. September 2020 über Positives zur Homöopathie berichtet. „Positives zur Homöopathie“ war jedenfalls ihr Artikel überschrieben (1). In ihm ging es aber gerade nicht darum, Positives zu berichten, sondern um die Frage, warum in der SZ kaum je etwas Positives zur Homöopathie zu lesen ist. Frau Berndt versucht dies der Leserschaft schlicht damit zu erklären, dass es eben zur Homöopathie nichts Positives zu berichten gebe. Das einzige, was die Globulimedizin zu bieten habe, seien Einzelfallmeinungen. Ob Queen Elisabeth nun auf Globuli schwöre, sei für die SZ unerheblich, Fallberichte von Anwendern der Homöopathie auch. Für das Blatt zählten einzig und allein die wissenschaftlichen Studien, so Frau Berndt. Und das Fazit dieser Studien fasst die Medizin-Redakteurin (nicht gerade faktenkonform) so zusammen: „Das Ergebnis war jedes Mal niederschmetternd.“

Das nun soll die Tatsache erklären, warum in der „Süddeutschen“ nichts Positives über Globuli zu lesen ist. Damit gibt Frau Berndt einen Grundkonsens in weiten Teilen der Medien wieder: Homöopathie wirkt nicht über den Placeboeffekt hinaus. Diese Floskel wurde vom Anti-Homöopathie-Verein „Informationsnetzwerk Homöopathie“ in die Welt gesetzt, und wird nun den bundesdeutschen Medienkonsumenten als wissenschaftliche Tatsache in Endlosschleife vermittelt. Wenn es um Homöopathie geht, vertrauen die im Journalismus Tätigen voll und ganz auf besagtes Informationsnetzwerk. Dass dort so manche Fakten ausgesprochen selektiv wiedergegeben werden oder mitunter auch schlicht falsch sind, erkennt man nur, wenn man die Aussagen hinterfragt und auf anderen Wegen fachliche Informationen zum Thema sucht. Jedenfalls erkennt man die Aussage „Das Ergebnis war jedes Mal niederschmetternd“, die Frau Berndt über die Homöopathie macht, als definitiv nicht zutreffend, wenn man sich die Mühe macht, sich auch anderer Quellen zu bedienen. (2), (3), (4). Einem seriösen Journalismus steht es auf jeden Fall gut zu Gesicht, sich bei einem Thema auf unterschiedliche Quellen zu stützen, und dort, wo der Eindruck entsteht, eine bestimmte Gruppierung habe eine Monopolstellung inne, schlicht und einfach kritische Fragen zu stellen. Das dürfen Journalisten nicht nur, das müssen sie.   

Wenn jemand seine Kopfschmerzen verliert, wenn er bestimmte Globuli nimmt, dann ist für ihn oder sie genau das das Entscheidende, und nicht, ob das Mittel diese Wirkung auch in klinischen Studien reproduzierbar nachweisen konnte. In dieser Hinsicht sind Patienten hartnäckig, ja manchmal starrköpfig.

Homöopathie-Gegner und die ihnen zugeneigten Journalistinnen und Journalisten haben ein großes Problem: Die Menschen interessieren wissenschaftliche Studien und Belege herzlich wenig, wenn eine Heilmethode zumindest das Potenzial verspricht, heilen oder zumindest lindern zu können. Ob ihnen etwas mit dem Stempel der Wissenschaft Versehenes hilft, oder ob es der reine Placeboeffekt ist, ist ihnen egal. Hauptsache, es hilft. Wenn jemand seine Kopfschmerzen verliert, wenn er bestimmte Globuli nimmt, dann ist für ihn oder sie genau das das Entscheidende, und nicht, ob das Mittel diese Wirkung auch in klinischen Studien reproduzierbar nachweisen konnte. In dieser Hinsicht sind Patienten hartnäckig, ja manchmal starrköpfig. Rational kommt man da nicht ran. Deshalb muss etwas her, was erfahrungsgemäß besser hilft. Das ist das Emotionale, und hier vor allem die wohl stärkste Emotion: die Angst.

Die Gegner der Hahnemannschen Globuli fahren schon eine Weile zweigleisig. Auf Gleis 1 fährt der Zug der Rationalität. In ihm fahren die Studienargumente und die Argumente der Naturwissenschaften: also Physik, Chemie, Pharmakologie etc. In diesen Zug setzt man das intellektuell einigermaßen geschulte Publikum, das auch nichts dagegen hat, wenn man ihm den gegenwärtigen Stand der Wissenschaft als nicht hinterfragbare Wahrheit verkauft. Auf Gleis 2 haben sie einen Zug stehen, der zwar weniger komfortabel ist, dafür aber für viel mehr Reisende Platz bietet. Es ist der Zug der Emotionalität. Man hat ihn sinnigerweise auf den Namen „Gefahr“ getauft. Dort will man all jenen einen Platz anbieten, die für rationale Anti-Globuli-Argumente wenig empfänglich, für emotionale dafür umso empfindsamer sind. Wie in den alten Nichtraucher-Waggons gibt es dort überall Warnschilder. Statt „Rauchen verboten!“ steht hier „Globuli gefährden Ihre Gesundheit!“ drauf.

Die Behauptung, durch Anwendung von Homöopathie würde gesundheitlicher Schaden angerichtet, ist nichts weiter als eine Meinung. Hierzu gibt es keine belastbaren Zahlen, Untersuchungen oder gar Studien. Was hier berichtet und bisweilen hochemotional breitgetreten wird, sind Einzelfälle auf der Ebene der „Globuliphilie“ des britischen Königshauses.

Die beiden Züge fahren in jeweils unterschiedliche Richtungen, denn sie dürfen sich nicht zu nahe kommen. Sie sind nämlich nicht kompatibel. Das Argument aus Zug eins „In den Globuli ist nichts drin, also können sie auch nicht wirken“ passt mit dem Zug-zwei-Argument „Globuli können tödlich sein!“ (5) nicht zusammen. Entweder ich fahre mit Zug eins nach Hamburg oder mit Zug zwei nach Stuttgart. Beides gleichzeitig geht nicht. Auf die Homöopathie übertragen heißt das: Entweder etwas ist unwirksam oder es schadet, beides gleichzeitig geht nicht. Doch, sagen die Homöopathie-Gegner und zaubern einen scheinbar genialen Trick aus dem Köcher: Globuli schaden, weil man dadurch „richtige Medizin“ zu spät oder gar nicht anwendet. Nun, das mag durchaus vorkommen und sollte tunlichst vermieden werden. Doch bei näherem Betrachten lässt sich unschwer erkennen, dass dieses Argument tatsächlich ein Trick ist, einer der sogar zum Bumerang werden kann. Denn die Behauptung, durch Anwendung von Homöopathie würde gesundheitlicher Schaden angerichtet, ist nichts weiter als eine Meinung. Hierzu gibt es keine belastbaren Zahlen, Untersuchungen oder gar Studien. Was hier berichtet und bisweilen hochemotional breitgetreten wird, sind Einzelfälle auf der Ebene der schon angesprochenen „Globuliphilie“ des britischen Königshauses. Nach einhelliger Meinung der Homöopathie-Gegner ist so etwas wertlos. Womit der Bumerang wieder zu seinem Werfer findet.

Auch Christina Berndt von der SZ schlägt in ihrem Artikel in diese Kerbe. Allerdings schaltet sie einen Gang runter und spricht nicht von Todesfällen. Sie klärt vielmehr darüber auf, dass Globuli zu Allergien führen können. Aber auch dieses Argument stammt aus dem Zug der Emotionalität, vermittelt es doch unterschwellig die Botschaft: „Obacht, süße Gefahr!“ Sicher können einige homöopathische Mittel bei tiefer Verdünnungsstufe ein allergisches Potenzial haben. Arnica, Calendula, Millefolium und andere Korbblütler können solche Reaktionen auslösen. Aber mit steigender Potenzierung verliert sich dieser Effekt schließlich vollkommen. Tatsache ist, dass nur sehr wenige homöopathische Arzneimittel potenziell allergisch sein können, der weit überwiegende Teil zeigt diesbezüglich keinerlei Reaktionen. Da ist die „Gefahr“ durch einen Kamillentee, ein Echinacea-Bonbon oder einen Arnikaumschlag um ein Vielfaches größer. Die Frage ist: Warum muss Frau Berndt diesen „Warnhinweis“ ausdrücklich anbringen, obwohl er in der Praxis kaum ins Gewicht fällt?  

Mit der Spielfigur namens Angst kann man letztlich immer zum finalen Schachmatt kommen. Das Spielbrett heißt Mainstream. Nur innerhalb dieses darf man sich bewegen, weil nur hier das Spiel funktioniert.

Nicht wenige Arzneimittel der sogenannten „Schulmedizin“ können als Nebenwirkung eine Allergie oder Unverträglichkeit auslösen, seien es Antibiotika, Schmerzmittel, Gichtmittel, Epilepsiemittel oder Röntgenkontrastmittel. Manche davon sind sogar freiverkäuflich, z.B. das Rheumamittel Diclofenac. Für dieses Arzneimittel wird fleißig Werbung gemacht. Bei dieser wird zu Risiken und Nebenwirkungen immer das lapidare „Fragen sie ihren Arzt oder Apotheker“ zitiert. Aber Diclofenac kann nicht nur Allergien auslösen. Viel schlimmer sind die möglichen negativen Auswirkungen, die das Mittel auf das Herz haben kann. Die Gefahr, durch das Rheumamittel nicht ungefährliche Probleme mit dem Herzen zu bekommen dürfte für bestimmte Menschen wohl größer sein, als sich durch Globuli eine allergische Reaktion einzuhandeln.

Mit dem zweiten Zug spielt man besser, werden sich die Homöopathie-Gegner sagen, und damit dürften sie auch recht haben. Nur auf den Intellekt zu setzen, führt in dem inzwischen über 200 Jahre alten Streit um die Globuli nicht wirklich zum Ziel. Diesem kommt man nur näher, wenn man die Irrationalität der menschlichen Gefühle gezielt und geschickt anspricht. Und mit der Spielfigur namens Angst kann man letztlich immer zum finalen Schachmatt kommen. Das Spielbrett heißt Mainstream. Nur innerhalb dieses darf man sich bewegen, weil das Spiel nur hier funktioniert. Zeitungen wie die SZ sind wichtiger Teil dieses Spiels. Eines aber sind sie nicht: die wahren Akteure der Partie.

(1) https://www.sueddeutsche.de/kolumne/sz-werkstatt-positives-zur-homoeopathie-1.5031906

(2) https://www.carstens-stiftung.de/die-datenbanken-der-karl-und-veronica-carstens-stiftung.html

(3) https://www.wisshom.de/links/forschung/

(4) https://www.vkhd.de/therapeuten/homoeopathie-forschung

(5) https://blog.gwup.net/2017/02/22/homoopathische-abgrunde-wenn-globuli-den-tod-bringen/